Ungleiche Karriereverläufe in DAX-Kontrollgremien
Eine Analyse der Aufsichtsräte in DAX-Unternehmen offenbart ein ambivalentes Bild: Während die Anzahl von Frauen in Führungspositionen dieser wichtigen Kontrollgremien weiter anwächst, zeigen sich bei der Dauer ihrer Mandatsverhältnisse deutliche Unterschiede zu ihren männlichen Kollegen. Frauen besetzen diese Posten zwar, doch ihr Ausscheiden aus den Positionen erfolgt häufig früher als bei männlichen Aufsichtsräten.
Jüngere Frauen, kürzere Amtszeiten
Die Daten deuten darauf hin, dass weibliche Aufsichtsratsmitglieder im Durchschnitt jünger in ihre Positionen gelangen, diese aber weniger lange ausüben als ihre männlichen Pendants. Dies könnte mehrere Ursachen haben: Neben möglichen Karrierebrüchen durch Familienverantwortung könnten auch weniger etablierte Netzwerke oder eine höhere Fluktuation in diesem Segment eine Rolle spielen. Die kürzeren Amtszeiten erschweren kontinuierliche Governance-Arbeit und den Aufbau von Erfahrung in den Kontrollgremien.
Steigende Präsenz an der Spitze
Ein positives Signal gibt es jedoch bei der Besetzung der Aufsichtsratsvorsitzenden-Positionen: Die Zahl der Frauen, die diese ranghöchste Position in den Kontrollgremien einnehmen, steigt kontinuierlich. Im Herbst 2024 dürfte die Marke von sechs Frauen in dieser Rolle erstmals überschritten werden – ein Zeichen für allmähliche Veränderungen in der Führungskultur großer deutscher Unternehmen.
Ausblick: Strukturelle Verbesserungen gefordert
Die Zahlen werfen Fragen zur Chancengleichheit und Retention auf. Um nachhaltig mehr Frauen in Aufsichtsräten zu halten und ihre Karrierepfade zu stabilisieren, könnten flexible Modelle und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie relevant sein. Mit dem Anstieg von Aufsichtsratsvorsitzenden zeigt sich jedoch, dass grundsätzliches Potenzial erkannt wird – es geht nun darum, diesen Trend auch bei der Dauer und Stabilität der Mandate zu verstetigen.